Michael Riehm hat die Zahl seiner Auftritte stets dosiert und kam über Saarland, und Pfalz nie hinaus. Nun legt
der 49-jährige Songschreiber aus Lebach sein Album "Lebensspuren" (MusikverlagHayo) vor: mit 21 Liedern aus den
Jahren 1970 bis 2000, oft in alten Originalaufnahmen. Beileibe keine leichte Kost. Mit verletzlicher Stimme singt
Riehm von Liebe, Einsamkeit, Sehnsucht und Tod. Die meist dezent mit Akustik-Gitarre und wenig drumherum
arrangierten Titel knüpfen an die großen Songwriter der 60er - Jahre an, heißen schon mal "Kleine Höllen" oder
"Trübe Gedanken" und spiegeln in teils schmuckloser Lyrik Selbsterlebtes wider. "Apelle, Mahnrufe, hauptsächlich
an mich selbst gerichtet", sagt Riehm, " für mich sind sie Lebenshilfe und Eigentherapie ". Hartnäckig wider den
Stachel oberflächlicher Moden anspielend, kämpft der sensible Eigenbrötler und Sinn-Sucher vor allem für die
grenzenlose Freiheit der Fantasie.
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Lebach. Aufdringlichkeit kann man dem Lebacher Komponisten, Gitarristen und Sänger Michael Riehm nun wirklich
nicht vorwerfen, Der heute knapp 50-Jährige hielt sein Publikum stets knapp, weil er seine (in der Freizeit entstandene)
Arbeit in erster Linie für etwas Intimes, bisweilen gar Eigentherapeutisches hält und es ihn Überwindung kostet,
damit sozusagen vor die Haustür zu gehen. Jetzt ist denn aber doch ein Schnitt erfolgt, hat nämlich Riehm eine fast
siebzig Minuten lange CD mit 21 Liedern aus drei Jahr- zehnten, nämlich von 1970 bis annähernd heute rausgebracht,
Titel-. "Lebensspuren", gewidmet den Söhnen Benjamin und David sowie all denjenigen,"die das Geheimnis hinter den
Dingen spüren und das Staunen über das Wunderbare allen Seins nicht verlernt haben ". Diese Erklärung ist nicht
unwichtig, halten doch viele Hörer die Lieder vordergründig für düster, traurig, melancholisch, depressiv angehaucht
sogar. Doppelzentner Schwermut werden aber nahezu aufgewogen von fast ebenso viel Draufgängertum. " Fürchtet
euch nicht ", ruft der Barde gar ausdrücklich und möchte drauf hinweisen, dass hier auch Lebenshilfe drinsteckt. Man
muss aber ein wenig danach graben. "Ich bin fürs Leben fast zu schwach gebaut", singt Riehm, wobei die Betonung auf
"fast" zu legen ist. Denn schließlich hat er noch so viel " Kraft und Salz ", dass es ihn nicht aus den Stiefeln haut, im
Gegenteil. Michael Riehm ist von der Haltung ein tapferer Stiefelträger-Typ, kein resignierender Sandalen-Mann wie
viele "Liedermacher". Er ist von seiner Attitüde nah am Rock und am Blues, auch wenn er zur puren Akustik-Gitarre
singt. Letztere Instrumentierung ist Standard auf dieser Platte, die bewusst unperfekt aufgenommen ist. Riehm
hat sie im Alleingang gemacht, manch altes Stück neu eingespielt, aber auch Altaufnahmen einer Renovierung unter-
zogen. Nicht jedem Hörer wird alles gefallen, was Riehm, zum Teil aus höchst privaten Motiven, für " wichtig " hält.
Kompositionen von hoher Qualität wie" Bomben für die Armen " leiden unter hölzernen Worten, an anderer Stelle hat
die Musik den Feinschliff der Texte nicht mitbekommen. Dennoch sind die " Lebensspuren " ein überdurchschnittlich
gutes Singer/Songwriter-Album, dem auch jede provinzielle Trivialität fehlt. Das ist bei Werken, die der Träumerei,
Freihei und Schönheit dienen, nicht selbstverständlich. Ein Quell der Freude ist Riehms hohe Stimme, die leicht
vibriert, nie kippt und an Steve Winwood erinnert.
SZ - 27.Dezember 2002 ----- PETER WAGNER
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